Alleskönner Hanf

EINE GESCHICHTE VOM
ROHSTOFFDIAMANT ZUM LIFESTYLEPRODUKT

Alleskönner Hanf

Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Hanfpflanze hat sich im Laufe der Jahrhunderte deutlich gewandelt – von der wichtigen Rohstoffpflanze über ihre Verdrängung während der Industrialisierung bis hin zur Protestdroge in den 1960er Jahren. Heute ist Hanf in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Bereits vor 12.000 Jahren in Persien und China angebaut und als Lebensmittel und Kleidungsherstellung verwendet, Papier wurde aus Hanf gewonnen. Im 13. Jahrhundert reiste Hanf in Form von Papierrohstoff das erste Mal nach Europa. Damals wurde schon erkannt, dass die Hanfpflanze positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat. So wurde sie beispielsweise aufgrund ihrer heilenden Kräfte zur Wundversorgung eingesetzt.

Hemp Car

Hanfauto und Henry Ford (Quelle: de.wikipedia.org)

Einsatzgebiete der Pflanze

Anhand einiger Beispiele lässt sich gut verdeutlichen, wie groß damals die Bedeutung der Pflanze als Rohstoff war. Wussten Sie, dass Gutenberg 1455 seine erste Bibel auf Hanf gedruckt hat? Oder, dass das Tauwerk und Segel Christoph Kolumbus‘ Segelschiffs aus Hanf bestanden? Und auch Henry Ford hat 1941 ein Auto aus Hanf entwickelt! Sein „Hanfmobil“ – Karosserie, Armaturen und Innenausstattung wurde aus Hanf hergestellt und statt mit Benzin mit Hanf betrieben!

Die „Anti-Hanf“-Lobby

Wie kam der Alleskönner also zu seinem schlechten Image? Im Zuge der Industrialisierung wurde die Kulturpflanze zunehmend verdrängt. Damals war es noch nicht möglich die Hanfpflanzen maschinell zu ernten, somit war die Verarbeitung aufwendig und teuer. Es wurden Rohstoffe entdeckt, die billig eingekauft und schnell weiterverarbeitet werden konnten. Die industrielle Verarbeitung von Baumwolle revolutionierte Anfang des 18. Jahrhundert die Textilindustrie und verdrängte die Pflanze endgültig aus diesem Sektor. Auch die Papierindustrie bediente sich einem einfach zugänglichem, damals massenhaft vorhandenem Rohstoff: Holz. Mit der Einführung der Hanfsteuer 1938 durch führende amerikanische Industrielle und einem anschließenden Hanfanbauverbot verschwand der Rohstoff endgültig aus diesen Sektoren. Auch im Gesundheitsbereich wurde Hanf unbedeutender. Synthetische Produkte konnten zunehmend fortschrittlicher hergestellt werden.

Anti Hanf Plakat USA

Plakat Anti-Hanf Kampagne (Quelle: Pinterest)

Es entwickelte sich regelrecht eine „Anti-Hanf“-Lobby in den USA, Hanf wurde als „Teufelszeug“ deklariert und durch rassistische Hetzkampagnen in falsches Licht gerückt. Während des 2. Weltkriegs erlebt der Hanf aufgrund der allgemeinen Rohstoffknappheit noch einmal ein kurzes Comeback, bevor nach Kriegsende wieder das schlechte Image propagiert wird.

In den 1960er Jahren geriet Hanf durch die zunehmende mediale Berichterstattung rund um die Hippiebewegung und den „War on Drugs“ der Vereinigten Staaten immer mehr in Verruf. Hanf wurde gesamtgesellschaftliche rein als Droge wahrgenommen, die vielen positiven Eigenschaften blieben unberücksichtigt.

Hanf auf der Überholspur

Viele Jahre war der Anbau von Hanf in unzähligen Ländern verboten. Doch das Blatt wandte sich in den 1990er Jahren. Viele Länder beendeten ihre Anbauverbote für Nutzhanf und die Politik reagierte. 2002 gab die europäische Union per Verordnung viele Nutzhanfsorten zum Anbau frei, die in den jeweiligen Mitgliedsländern entsprechend der nationalen Gesetze angebaut werden können.

Durch die zunehmenden Legalisierungen von Cannabis befindet sich der Alleskönner Hanf auf der Überholspur. Dazu kommt eine zunehmend wissenschaftliche Erforschung der Pfanze und ihrer gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe. Cannabis ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, die positiven Eigenschaften und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten werden wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt.